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Dominikus Schwaderlapp

Lebensentwürfe

19.04.2017

Am 19. April 2005, also genau vor 12 Jahren, wurde Josef Ratzinger zum Papst gewählt und nahm den Namen Benedikt XVI. an. In Deutschland griff damals das „Wir sind Papst“ – Fieber um sich, das wenige Monate später im unvergesslichen Weltjugendtag in Köln gipfelte. Der mittlerweile emeritierte Papst Benedikt hat uns aber nicht nur wunderschöne Erlebnisse dieses Jahres 2005 beschert, sondern auch eine ganze Bibliothek an theologischen Werken hinterlassen, die unzähligen Menschen einen Zugang zum Geheimnis des Dreifaltigen Gottes eröffnet. Kardinal Meisner nannte Josef Ratzinger einmal treffend den „Mozart der Theologie“.

Am 19. April 1985, also vor 32 Jahren, wurde Luisa L. geboren. Luisa ist seit 10 Jahren verheiratet und Mutter von fünf Kindern. Ihr Leben macht keine Schlagzeilen, aber zusammen mit ihrem Mann hat sie den Kindern nicht nur das Leben geschenkt, sondern beide schenken ihnen Tag für Tag sehr viel Liebe. In ebenso schlichter wie froher Weise leben die Eltern ihren Kindern darüber hinaus authentisches Christsein vor. Was auch für Wege die Kinder einmal einschlagen werden: Das, was sie in diesen frühen Jahren an Liebe und Glauben erleben, wird ihnen ein bleibender Schatz sein.

Am 19. April 1967, also vor 50 Jahren, starb Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er stellte die Weichen entscheidend dafür, dass wir bis heute in einem Land leben können, das von Freiheit, Sicherheit und Wohlstand geprägt ist. Aber nicht nur das, er war gläubiger Katholik, ebenso wie Alcide De Gasperi in Italien und Robert Schumann in Frankreich. Diese drei Staatsmänner stehen auch für die europäische Einigung, die uns – bei allen Schwierigkeiten und Rückschlägen – eine bisher nie dagewesene Periode des Friedens in Europa geschenkt hat.

Drei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Lebensentwürfen, die lediglich durch eine Beziehung zum 19. April miteinander verbunden sind. Mir fällt dabei das Wort von Papst Benedikt ein: „Es gibt so viele Wege zu Gott wie es Menschen gibt.“ Gott hat nicht nur für diese Personen, sondern für jeden einzelnen Menschen eine eigene Berufung und Sendung in dieser Welt.

Wir stehen mitten in der Osteroktav. Der Triumpf des Auferstandenen macht deutlich: Gott ist stärker als menschliche Schwäche, als Sünde und auch als der Tod. Wenn wir uns als Instrumente zur Verfügung stellen, kann er mit uns und durch uns die Welt verändern und verwandeln. Wie wär’s, wenn wir mit einem Gebet in den Tag zu starten, das in etwa lautet: „Herr, du hast mich gerufen vor dir zu stehen und dir zu dienen. Lass mich Instrument in deiner Hand sein. Lass mich heute deinem Willen gefügig sein, dann kannst du durch mich Großes vollbringen…“

Die Osterfreude führt uns ins Vertrauen auf die grenzenlose Macht Gottes, in der ich mich auch mit meinen Begrenzungen, mit meinen Schwächen und sogar mit meiner Schuld und Sünde aufgehoben wissen darf. So sagte Papst Benedikt als er vor 12 Jahren gewählt wurde: „Mich tröstet die Tatsache, dass Gott auch mit unzureichenden Instrumenten zu arbeiten weiß.“ – Also auch mit Ihnen und mir.

 

Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp, Köln


                                     Foto: © pixabay.com

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