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Ludger Schepers

Gemeinsames Lernen hilft Gräben zu überwinden

20.03.2024

Wir stehen kurz vor Ostern und ich blicke fassungslos und unendlich traurig auf die Gewalt, den Krieg und den Terror in Israel und Palästina. Für mich ist es auch das Heilige Land. Es ist voller Spuren Jesu. Auf Schritt und Tritt begegnet man biblischen Überlieferungen. Die Passionszeit, Karwoche und Ostern in Jerusalem ist eine ganz besondere Zeit für Christen besonders im Heiligen Land.

Dabei sind die Christen im Heiligen Land eine Minderheit. In rund 30 verschiedenen Kirchen, kirchlichen Gemeinschaften oder Denominationen sind sie zusammengeschlossen. Die bedeutendsten sind die Griechisch-Orthodoxen, die Armenier, Syrer, Kopten, Äthiopier, die Katholiken, Lutheraner und Anglikaner. Die katholische Kirche tritt neben den “Lateinern”, den Gläubigen des römischen Ritus, in verschiedenen ostkirchlichen Gemeinschaften auf: Maroniten, Melkiten sowie katholische Armenier und Syrer.

Seit über 160 Jahren unterstützt der Deutsche Verein vom Heiligen Land (DVHL) Menschen im Heiligen Land, die unserer Hilfe dringend benötigen. In einer Region, die nicht nur heute aktuell von Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt ist, setzt sich der Deutsche Verein vom Heiligen Land für den interreligiösen Dialog, die Bildung, die Verständigung und den Frieden ein. Seit dem 7. Oktober 2023 sind die Gräben zwischen den Menschen ungleich tiefer geworden. Ihre Überwindung wird eine große Kraftanstrengung auf allen Seiten bedeuten.

Vor gut einer Woche hatte ich die Gelegenheit, von Sr. Hildegard Enzenhofer SDS und dem Mitarbeiter des Vereins H. Rothenbaum per Videokonferenz von der Atmosphäre und den Nöten der Menschen vor Ort zu hören. Von Seiten der Regierung und der Hamas sind Friedensbemühungen nicht zu erwarten. Umso wichtiger sind Menschenm, die Zeichen setzen. Ein Beispiel für die gelebte Solidarität ist das Beit Emmaus in Qubeibeh, einem kleinen arabischen Dorf nahe Jerusalem. Dieses besondere Pflegeheim dient palästinensischen Frauen christlichen und muslimischen Glaubens, die aufgrund ihres Alters oder einer Behinderung Unterstützung benötigen. In einer Region, die zunehmend unter den Folgen des israelischen Mauerbaus leidet, bietet Beit Emmaus nicht nur Pflege, sondern ebenso ein Zuhause und eine Gemeinschaft. Es ist ein strahlendes Beispiel der Menschlichkeit und Fürsorge.

Zeichen setzen auch die Schmidt-Schule in Jerusalem und die Schule Our Lady of Annunciation in Ramallah. Seit vielen Jahren werden sie vom DVHL gefördert. Sie sind mehr als nur eine Bildungseinrichtung – letztere ist das pulsierende Herz der griechisch-melkitischen Gemeinde.  Die 430 Schüler und Schülerinnen haben hier die Möglichkeit das Abitur abzulegen und international anerkannte Sprachprüfungen in Englisch und Französisch zu absolvieren. Das Schulgebäude in Ramallah ist in die Jahre gekommen, aber die Bildungsqualität sehr gut und die Absolventen dieser Schule gehörten in den letzten Jahren zu den besten des Landes. Gemeinsames Lernen hilft, sich gegenseitig besser kennen zu lernen, Vorurteile abzubauen und Wahrheit von Lüge zu unterscheiden.

Mit unserer Palmsonntagskollekte haben wir die Möglichkeit Solidarität mit allen Menschen im Heiligen Land zu zeigen.

Weihbischof Ludger Schepers, Essen


                              Foto: Daniel Tsai- pixabay.com

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