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basis Kommentare

Westprotal Chartres Christus

Ludger Schepers

Wolken über der Kirche?

24.03.2021

Pater J. Alois Gómez de Segura, Amigonianer, hat einen Text eines unbekannten Autors / einer unbekannten Autorin weitergeschrieben, den ich gerne unterschreibe.

Liebenswürdige Kirche,
ich freue mich, dass es dich gibt, Mutter Kirche, auch wenn in der letzten Zeit dunkle Wolken über deinen hellen Himmel ziehen. Zurzeit scheint das Dunkle stärker zu sein; als ob du von allen guten Geistern verlassen wärest: Missbrauch von Kindern, Doppelleben einiger Diener des Evangeliums, manche Amtsträger, die bestimmte Minderheiten pauschal verurteilen…

Wir erinnern uns an deine Feuertaufe und an die Begeisterung der ersten Stunde.

Die Lebensaufgabe, die dir in die Wiege gelegt wurde, hast du bis heute nie aus den Augen verloren: Den Menschen das Evangelium zu verkünden, ihnen Halt und Trost zu geben, ihre Freude und Hoffnung wach zu halten. Dafür herzlichen Dank!

Liebenswerte Kirche,
ich möchte aber den Kummer nicht verschweigen, den du mir zurzeit bereitest. Ehrlich gesagt: Ich mache mir Sorgen um dich. In dir entdecke ich dunkle Flecken. Du bist auch blass und farblos geworden. Dein Herz will nicht mehr so recht mitmachen. Oft stelle ich bei dir auch eine gewisse Sehschwäche und eine zunehmende Schwerhörigkeit fest.

Ob du noch wahrnimmst, wie viele dir enttäuscht den Rücken kehren? Ihre Kritik könnte dir so sehr helfen. Ob du nicht mehr die Stimme derer hörst, die dir Rat und Hilfe anbieten?

Deshalb, liebenswerte Mutter Kirche, meine Bitte: Eine intensive Kur wird dir guttun!

Dein Wahlspruch ist mir so sympathisch: „Ecclesia semper reformanda“ – die Kirche soll sich immer erneuern. Aus der Verjüngungskur des II. Vatikanischen Konzils bist du frisch und vital hervorgegangen. Das kann auch heute geschehen. Denn in jeder Krise steckt eine Chance.

In deinem Innern bist du immer jung geblieben, denn die Heilige Geistkraft ist in dir, und sie belebt und erneuert dich immer wieder.

Liebenswürdige Kirche,
männliche Züge prägen zu sehr dein Bild. Du bist aber weiblich – wir nennen dich ‘die Kirche’ – und alles Weibliche in dir will zum Zuge kommen, zur Bereicherung aller. Manche verhindern das, bewusst oder unbewusst. Aus Angst, Macht zu verlieren?

Du wirst wieder – davon bin ich überzeugt – offene Ohren haben für die Anliegen deiner Töchter und Söhne und für die Hilferufe der Menschen. Denn für dich ist es wichtig zu wissen, was die Menschen heute brauchen.

Deine Sehkraft wird wieder zunehmen. Dir geht auf, wie wichtig es ist, nicht nur zurückzuschauen und sich im Glanz vergangener Zeiten zu sonnen, sondern nach vorn zu blicken und neue Aufgaben zu entdecken.

Du wirst wieder ein weites Herz bekommen, in dem, wie am Anfang, die unterschiedlichsten Menschen Platz haben und alle Christinnen und Christen mit den verschiedenen Prägungen und Konfessionen in dir – der einen Kirche – zusammenleben und feiern.

Du wirst gegensätzliche Meinungen in Liebe ertragen, und die Freiheit, von der du sprichst, kann an dir selbst erlebt werden.

So wird auch wieder Farbe in dein Gesicht kommen. Es wird Freude und Hoffnung ausstrahlen, es wird etwas widerspiegeln von der Menschenfreundlichkeit Gottes.

Und wir, Christinnen und Christen, werden die Resignation überwinden und aus der Kraft des Geistes Lebendigkeit ausstrahlen.

Liebenswerte Kirche,
ich bringe dir, mit vielen anderen, meine Bereitschaft, an deiner Gesundung und Erneuerung mitzuhelfen, und mein Versprechen, auch andere dafür zu begeistern. Denn wir brauchen dich und erwarten noch viel von dir.
Danke, dass es dich gibt.

Liebe weibliche Kirche,
immer wieder habe ich mich gefragt, warum du, liebe Kirche, weiblich bist. Bist du weiblich weil du das Mütterliche, das Fürsorgliche verkörperst, indem du Leben erzeugst und für das Gedeihen dieses Lebens weiter sogst?

Bist du weiblich, weil so viele Frauen in dir wirken und das Gemeindeleben gestalten?
Bist du weiblich, weil Jesus aus einer jüdischen Frau, Maria, geboren wurde?
Bist du weiblich, weil eine Frau, Maria Magdalena, als erste die Auferstehung verkündet hat, und deshalb Apostelin der Apostel genannt wird?
Oder bist du weiblich, weil so viele Mütter den Glauben an ihren Kindern weiter geben?
Oder bist du weiblich, weil Gott das so gewollt hat, als Ausgleich für so viel Patriarchales in der Geschichte der Menschheit?
Vielleicht bist du weiblich aus allen diesen Gründen und aus vielen anderen.

Auf jedem Fall wärest du, liebe Kirche, sehr arm dran ohne das Weibliche, ohne die Frauen in dir. Als Mann in der Kirche freue ich mich und bin dankbar, weil so viele Frauen mit ihren Gaben und Begabungen, mit ihrer Zärtlichkeit und Liebe die Menschen bereichern.

Für das Weibliche in dir, liebe Kirche, danke ich Gott und allen Frauen, die der Gemeinschaft der Kirche gehören.

Einen Wunsch hätte ich doch: Die Männer, die in dir, liebe Kirche, den Ton angeben, sollten zulassen, dass mehr Weibliches in den verschiedenen Diensten und Ämtern, in der Leitung und in der Liturgie zum Erklingen käme, damit die Melodie der Liebe, die Gott durch die Menschen spielen will, zu mehr Freude und Bereicherung für alle werden kann.

Und ich hoffe, dass Gott ein wenig auf mich hört.


                                     Westportal Chartres – Foto: Hubertus Brantzen

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