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Ulrich Emge

In meinem Stall…

26.12.2018

Wie ist für Sie Weihnachten verlaufen? Wo konnten Sie in diesem Jahr innerlich „andocken“? Welcher Gedanke hat Sie durch die Advents- und Weihnachtstage hindurch begleitet oder zum Nachdenken gebracht?

Obwohl ich das Lied mag, hoffe ich, Sie hatten kein „Alle-Jahre-wieder-Weihnachten“. In vielerlei Hinsicht läuft der Advent und Weihnachten selbst sehr routiniert ab: Weihnachtsfeiern mit Kollegen und im Verein, schöne Weihnachtskonzerte und wärmender Glühwein auf Weihnachtsmärkten, Adventskranz, Plätzchenbacken und stimmungsvolle Dekoration zuhause, Rituale rund um den Christbaum, die Bescherung und das Begehen der Weihnachtsfeiertage…  

Dabei feiern wir doch an Weihnachten gerade die totale Durchbrechung der Routine!

Gott selbst wird Mensch! Ein absolut einmaliger, nahezu unglaublicher Vorgang, den es in keiner anderen Religion außer dem Christentum gibt!
Gott kommt nicht in einem Naturschauspiel oder einem Spektakel. Er wird Mensch in Maria. Ihre Bereitschaft und ihr Vertrauen öffnet Gott eine nie dagewesene Tür in unsere Welt. Er kommt als Kind, ohnmächtig und völlig auf Zuwendung angewiesen. Er verlässt seinen Himmel, weil er sich nach Beziehung zu seinen Geschöpfen sehnt – nach Liebesbeziehung!

So wie ein Baby nach der Geburt innerhalb kürzester Zeit die Herzen seiner Eltern erobert und in ihnen Liebe weckt, will das Kind in der Krippe auch mein Herz erobern und meine Liebe wecken. Eltern und Kind brauchen Zeit, sich aneinander zu gewöhnen, sich kennenzulernen, bis nach und nach im Staunen und in der Fürsorge Beziehung wächst.

Gott wählt seinen Weg in die Welt so, wie jeder Mensch in diese Welt kommt. Er bahnt seinen Wunsch nach Liebesbeziehung genauso an, wie Liebesbeziehung auf natürliche Weise nun einmal entsteht. Sein Geburtsort ist kein Kreißsaal mit tollem Ambiente und allen Finessen, sondern eher ein Notbehelf. Ich verstehe das so, dass er für seine Geburt in die Welt überhaupt keine Bedingungen stellt. Im Gegenteil: Der armseligste Stall ist ihm gut genug. Für ihn ist entscheidend, was danach kommt: von Herzen angenommen, aufgenommen und geliebt zu werden – das, wonach sich jedes Kind bei seiner Geburt sehnt, ist Gottes Beziehungsangebot an mich.

Wer die Geburt Jesu persönlich nimmt, hat verstanden, dass Gott selbst sein Kommen in die Welt zutiefst persönlich gemeint hat. Mir will er begegnen und allen anderen Menschen zu allen Zeiten genauso.

Im Lied heißt es „Süßer Immanuel, wird‘ auch in mir nun geboren […] Wohne in mir, mach mich ganz eins nun mit dir, der du mich liebend erkoren.“
Auch mein Stall, meine innere Armseligkeit, mein Nicht-perfekt-Sein, meine Unzulänglichkeiten, sind dir ein völlig ausreichender Geburtsort.
Du willst mir dein Wesen offenbaren, das Liebe ist, willst mit deiner Liebe in mir wohnen. Damit ich mich selbst lieben lerne, wie du mich liebst, und daran heil werde.

Damit ich meine Mitmenschen lieben lerne, wie du sie liebst, dass unsere zwischenmenschlichen Beziehungen heil werden.
Damit ich dich lieben lerne, weil du mich und die ganze Welt liebst, mir Freiheit schenkst, mir zutraust, die Welt und mein Leben gut zu gestalten und mir immer nah bleibst.

Komm, mein Heiland, und lass mich tiefer in die Beziehung zu dir wachsen!

Ein solches Weihnachten, ein Spüren, dass Gott Beziehung zu uns sucht, bei uns Herberge sucht, um in Ihrem Stall geboren zu werden, das wünsche ich Ihnen und uns allen von Herzen! Und ein solches Weihnachten ist nicht auf den 25. Dezember festgelegt. Das Hochfest der Geburt des Herrn in mir kann sich an jedem Tag ereignen.

 

Ulrich Emge, Bistum Würzburg
Pastoralreferent, Ehe-, Familien- und Lebensberater


                                       Foto: pixabay.com

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