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Gertrud Pollak

„Fass Dir ein Herz…“

03.07.2019

„Fass Dir ein Herz …“ – eine stärkende Ermutigung, die man sich selbst zusagt oder von anderen zugesprochen bekommt. Oft geht es wirklich nicht von allein. Es braucht einen Ruck, bis etwa das notwendige Gespräch zustande kommt oder etwas Neues angepackt wird. Unterschiedlich mag es dann ausgehen, aber nicht herzlos. Mit „Fass Dir ein Herz“ kann eigentlich nicht zu Hartherzigkeit ermutigt werden, zu „Hoppla, jetzt komm ich“. Empathie und Wertschätzung gehören dazu, wenn wirklich das Herz im Spiel ist. 

Freilich ist diese Aufforderung herausfordernd und keineswegs sentimental. Es geht nicht um die vielerlei Herzchen, die uns als Schmuckelement auf Servietten, Tassen oder Plakaten arglos entgegen blinken. Auch die Herzen aus Metall, Holz, Plastik und mehr, die uns durch Geschäfte, Wohnungen oder Plakate begleiten, treffen nicht dieses Innerste, was „Herz“ markieren will. Natürlich wollen Herzen immer irgendwie von Liebe sprechen. –  Doch, wie muss ein Herz beschaffen sein, das wirklich liebt und richtig greift, im Guten und in Schwierigkeiten?

Schon verwunderlich, dass selbst wir Christen dazu den Maßstab manchmal nicht kennen oder vergessen haben. Wir könnten ihn neu entdecken angesichts eines „Herrenfestes“, das in unserer Liturgie manchmal doch ein Randdasein führt. Ende Juni feiern Katholiken das Herz-Jesu-Fest. Zudem durchziehen die Herz-Jesu-Freitage das Jahr. Manche Christen realisieren nicht, dass ihre Religion die Heilsereignisse als Herzenssache feiert und verehrt. Das Leben Jesu spiegelt einen Gott, der unendlich liebt – in der Zuwendung zu uns, in vielen Freuden, aber auch bis zum Kreuz. Das unschuldig durchbohrte Herz an diesem Schandpfahl zeigt die Spitze der liebenden Zuwendung zu uns Menschen und zur Welt.

Hier hat die Liebe größte Kraft. Da ist kein Platz für harmlose und platte Liebelei. Vielmehr umgreift alles die ermutigende Zusage des Paulus im Römerbrief des Neuen Testaments, die Jesus und uns betrifft: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen“ (Röm. 5,5). Hier liegt das Maß und die Kraft, dass unser Herz alle Lebensfacetten kennen und durchleben kann. „Gib mir ein festes Herz, mach es fest in Dir…“ heißt es in einem Lied. Rät das nicht auch: Fass Dir S e i n Herz…?!

Dr. Gertrud Pollak, Mainz
Ordinariatsdirektorin a. D. 


                                     Foto: pixabay.com

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