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Hubertus Brantzen

Der Streit um Jerusalem

06.12.2017

Präsident Trump hat einen Aufschrei und ein Kopfschütteln in der ganzen Welt ausgelöst: Er anerkennt Jerusalem als Hauptstadt des Staates Israel und wird die Botschaft der USA von Tel Aviv dorthin verlegen. Das, was die bisherigen US-Präsidenten aus hinlänglich bekannten Gründen vermieden, setzt er in die Tat um.

Die arabische Welt reagiert mit einem Aufschrei. Die Palästinenser haben bereits „Tage des Zorns“ ausgerufen. Die Türkei droht mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Die islamischen Nachbarstaaten protestieren scharf. Europäische Staaten wie Frankreich und Deutschland schütteln den Kopf und verweisen auf das Eskalationspotential eines solchen Schrittes.

Was ist das Motiv des Präsidenten? Warum überhaupt und warum jetzt? Zur Beantwortung dieser Frage wird vielfältig spekuliert und in Talkshows diskutiert werden. Die Konsequenzen werden verschieden eingeschätzt.

Der symbolischen Bedeutung dieses Aktes sei hier ein Gedanke hinzugefügt, der in der christlichen Adventszeit ein Rolle spielt: In einer nach wie vor sehr populären Deutung des Stadtnamens bedeutet Jerusalem „Stadt des Friedens“. Die Kurzform des Namens „Salem“ (Gen 14,18) soll mit dem hebräischen Wort Schalom – „Frieden“, „Heil“ – zusammenhängen.

In dieser für Christen so wichtigen Zeit des Advents wird an das Kommen Jesu Christi vor 2000 Jahren gedacht. Ausgerechnet in dieser Zeit zündeln ausgerechnet Christen in einer Region, die einem Pulverfass gleichkommt. Die Nachfolger dessen, der als „Friedensfürst“ (nach Jes 5,9) bezeichnet wird, bringen Unruhe und Unfrieden in die Region, die sie das „Heilige Land“ nennen.

Man möge bitte nicht sogleich antworten, man müsse fromme Gedanken von knallharter und notwendiger Politik unterscheiden. Wenn Grundgedanken einer Religion keinen konkreten Einfluss auf das Alltagsgeschäft der Politik haben dürfen, dann versinkt Religion bald in der gesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit. Wenn Christen denen nachgeben, die verlangen, sich nicht in dieses politische Geschäft einzumischen, dann werden Advent und Weihnachten zu einer privaten und geschäftlich genutzten, aber bedeutungslosen Idylle.

Konkret heißt das: Wir dürfen in diesen Tagen und Wochen als Christen nicht nur in unseren warmen Wohnzimmern Christbäume und Krippen aufbauen, sondern sind durch ein solches öffentliches Ereignis aufgefordert, uns für einen bedingungslosen Frieden lautstark einzusetzen. Die weihnachtliche Botschaft „Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“ muss Einfluss nehmen auf das Geschehen auf dieser Erde und darf sich nicht ausschalten lassen von einer angeblich „höheren Diplomatie“.

Prof. Dr. Hubertus Brantzen, Mainz


                                     Foto: © pixabay.com

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