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Christine Lieberknecht

Michas prophetische Rede vom Frieden

Friedenssymbol von New York bis Moskau mit Leben erfüllen

15.11.2017

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden fortan nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ (Micha 4,3)

Mit dem Aufstieg des Novembernebels über umgeackerten Feldern und kahl gewordenen Alleen steht mir jedes Jahr von Neuem unweigerlich jenes Bild vom übermächtigen, kraftvoll und weit ausholenden Schmied vor Augen, der mit seinem Schmiedehammer vollzieht, was der Prophet Micha verheißt: Das Schwert wird in Zukunft als Pflugschar zur Bearbeitung des Ackerbodens dienen.

Ja, „Schwerter zu Pflugscharen“ wurde zum griffigen Symbol für Zehntausende junger Leute, die die Nase voll hatten von hohlen Phrasen und sinnloser Gängelei im DDR-Staat und zugleich in der Furcht lebten, dass sie im Falle eines Krieges diesen als Erste mit ihrem jungen Leben würden bezahlen müssen. Dass es dazu nicht gekommen ist, sondern im November vor nunmehr 28 Jahren ein bis an die Zähne bewaffnetes, nahezu hermetisch abgeriegeltes System ohne einen einziges Schuss und ohne jegliche Gewaltanwendung friedlich implodierte, ist eine der großartigsten Erfüllungen jener prophetischen Verheißung aus dem Buch Micha im Alten Testament.

Gleichwohl war das Aufatmen mit der Zeitenwende von 1989/90, in der manche schon „das Ende der Geschichte“ zu proklamieren suchten, nur von kurzer Dauer. Die Welt ist nicht friedlicher geworden. Ich wünsche mir mit Leidenschaft, dass das Symbol der monumentalen Statue des sowjetischen Künstlers Jewgeni Wutschetitsch, die ihren Platz sowohl vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in New York (Kopie) als auch in der Tretjakow-Galerie in Moskau hat, auch heute Menschen in ihren Visionen, Gebeten und Einsatz für den Frieden bestärkt: Ja, Frieden ist möglich. Er ist möglich im Kleinen wie im Großen.

Die ökumenischen Friedensdekaden in unserem Land laden seit dem vergangenen Sonntag für zehn Tage bis zum 22. November, dem Buß- und Bettag, wieder zu Gottesdiensten, Andachten, gemeinsamen Gebeten und Aktionen ein, um unsere unruhige und konfliktbeladene Welt ein wenig gerechter und friedlicher zu machen. Mut macht mir der kommende 101. Katholikentag 2018 in Münster mit seinem Motto „Suche Frieden“.

Deshalb: Mischen auch Sie sich ein, in diesen grauen Novembertagen zu singen, zu beten, zu hören und im besten Sinne zu streiten für ein gerechteres und friedliches Miteinander in unserer Einen, uns von Gott anvertrauten Welt.

 Foto: Logo der Friedensdekade

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