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Christine Lieberknecht

Ermutigung aus Gottes Gnade

31.01.2018

Schrittweise scheint in diesen Tagen die Bildung einer neuen Bundesregierung nach den Wahlen vom 24. September 2017 voranzukommen. Doch gesichert ist der erfolgreiche Abschluss einer erneuten „Groko“ nach den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen keinesfalls. Die soeben erfolgte Einigung von Union und SPD zum Familiennachzug Asylsuchender mit subsidiärem Schutz zeigt einmal mehr, wie sehr die Parteien um jedes Jota für einen künftigen Koalitionsvertrag ringen, um sogleich öffentlich zu bekunden, wie wenig man in Wahrheit eines Geistes ist. Geht es aber nicht gerade um einen solchen gemeinsamen Geist, wenn ein Bündnis für die kommenden Jahre tragfähig sein soll?

Niemand muss dafür seine Identität aufgeben. Im Gegenteil. Die Gemeinwohlverpflichtung gehört zu den wichtigsten Identitäten sowohl von CDU und CSU als auch der SPD, die sich allesamt  ausdrücklich als „Volksparteien“ dem ganzen Volk verpflichtet fühlen. Trotz zunehmender Säkularisierung und Pluralität in unserer Gesellschaft ist die Zahl bekennender Christen im Deutschen Bundestag noch immer hoch. Diesen Abgeordneten dürfen betende Christen und aktive Kirchengemeinden zurufen: Wenn ihr möglichst gut für unser Land und die Menschen gemeinsam arbeiten wollt, dann bedeutet das, mit christlichem Ethos gesprochen, nicht mehr und nicht weniger als „Gott von ganzem Herzen und seinen Nächsten zu lieben, wie sich selbst“.

Dabei ist sehr wohl nach weltlichem und geistlichem „Regiment“ zu unterscheiden. Nichts wird verwischt. Es dient jedoch der Klarheit, wenn Christen die Basis ihres politischen Handelns offen benennen und ihre grundsätzliche Haltung erkennen lassen.

In seinem „Sermon von den guten Werken“ verweist Martin Luther darauf, dass das ganze Leben Gnade ist. Es ist ein unverdientes Geschenk Gottes. Erst aus diesem Gottesgeschenk heraus handeln wir in der Freiheit der Gotteskinder für unseren Nächsten und die Welt.  Dazu gehört, dass wir die Freude über dieses Gnadengeschenk Gottes ausstrahlen, dass wir aufeinander zugehen und im Vertrauen aufeinander gemeinsam „der Stadt Bestes“ für unser Land und die Menschen suchen.

Christen sind aufgerufen, genau darin die Abgeordneten zu ermutigen, sie zu unterstützen und zu bestärken: Ja, es ist gut, wenn ihr bis an die Grenze des Möglichen verhandelt. Aber vergesst nicht, welcher Großzügigkeit, welcher Freundlichkeit, ja welcher Gnade Gottes ihr es zu verdanken habt, wenn ihr in diesen Tagen euer Wort macht für uns und unser Land.

Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin von Thüringen a.D.

 Foto: Hubertus Brantzen

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