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Michael Gerber

Seligsprechung in Algerien

05.12.2018

Fast unbemerkt, wird in den kommenden Tagen etwas Wichtiges geschehen: Am kommenden Samstag, den 8. Dezember, und damit am großen Marienfest findet in  Oran/Algerien eine Eucharistiefeier statt, bei der 19 Frauen und Männer seliggesprochen werden. Diese starben in den vergangenen Jahrzehnten in Algerien für ihren Glauben. Unter ihnen ist der frühere Bischof von Oran, Pierre Claverie (1938-1996), sowie die sieben Mönche aus dem Atlaskloster in Tibhirine, die im Frühjahr 1996 verschleppt und getötet wurden.   

Vor einigen Jahren wurden wir hierzulande  auf dieses Kloster aufmerksam durch den Film „Von Menschen und Göttern“. Ich glaube, dass diese Mönche, deren Tod nun schon gut 22 Jahre zurückliegt, uns gerade in unserer gegenwärtigen Situation einiges zu sagen haben. Mich hat es jedenfalls immer wieder in den letzten Jahren bewegt, Schriften dieser Mönche bzw. Veröffentlichungen über das Leben dieser Mönche zu lesen.
Das Kloster hatte viele Jahre lang seinen Auftrag darin gesehen, den Dialog zwischen Christen und Muslimen zu pflegen. Doch Anfang der 90er-Jahre verändert sich das politische Klima im Land. Es kommt zu Übergriffen. Christen und Muslime werden ermordet. Auch das Kloster wird ein erstes Mal überfallen.

Der Kinofilm schildert sehr eindrücklich, wie sich jeder der Mönche die Frage stellt: „Bleibe ich oder gehe ich?“ Die Mönche ringen mit ihrer Angst, denn sie müssen damit rechnen, selbst Opfer von Gewalt zu werden. In diesen Momenten bekommt das Fragen und Ringen der Mönche einen Tiefgang, in dem für mich eine bleibende prophetische Botschaft für uns heute steckt. Die Mönche stoßen zu der Frage durch: Worin findet mein Leben als Christ seinen letzten Grund? Wo konkret habe ich in meinem Leben diesen Grund erfahren? Gerade für die Herausforderungen, in denen wir heute stehen, ist die Frage wichtig nach Schlüsselerfahrungen, die mein Leben geprägt haben und die – bewusst und unbewusst – die Art und Weise prägen, wie ich heute die Welt wahrnehme.

Christian de Chergé, der spätere Prior, hatte als junger Soldat im Algerienkrieg erlebt, wie ein muslimischer Freund ihm in einer gefährlichen Situation das Leben rettet. Wenige Tage später wurde dieser Freund eben wegen dieser Freundschaft zu einem Christen von Extremisten getötet.

Diese erfahrene Freundschaft war für den späteren Prior eine wesentliche Triebkraft, auch in großer Bedrängnis weiterhin am Dialog mit Muslimen festzuhalten. Nur drei Monate, bevor er zusammen mit seinen Brüdern verschleppt wird, schreibt er unter dem Eindruck der kurz zuvor geschehenen Morde an Christen in Algerien in seinem Weihnachtsrundbrief folgende Zeilen:

„So sehr hat Christus die Algerier geliebt, dass er sein Leben für sie hingab. Und die unsrigen taten es ebenfalls in seiner Nachfolge. Wir haben eine gute österliche Erinnerung! Denn genau dort, im Pascha, findet unser schmerzerfülltes Herz all die anderen geliebten Gesichter wieder. (…) Die Treue, die von uns gefordert wird, ist die des gegenwärtigen Augenblicks. Gott gibt uns nur diesen jetzigen Moment, um Verzeihung, Liebe, Hoffnung und Friede zu leben.“

Weihbischof Dr. Michael Gerber, Freiburg

 Foto: © pixabay.com

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