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Ulrich Emge

Gekommen ist die Stunde…

28.11.2018

… deiner Liebe, werden Sie vielleicht innerlich intuitiv ergänzt haben. Ja, so scheint es wirklich. Gekommen ist eine neue Stunde der Liebe Gottes zu seiner Kirche. Weil der himmlische Vater seine Kirche liebt, reinigt er die Reben.

So wie gerade das Kirchenjahr zu Ende geht, scheint – zumindest in meiner Wahrnehmung – zurzeit eine ganze Ära für die Kirche zu Ende zu gehen. Diese Ära war geprägt von einer überladenen Priesterrolle, einer fragwürdigen Priesterzentriertheit und einer fast schon einseitigen Eucharistiefrömmigkeit. Nun schwinden die Zahlen der Priesteramtskandidaten schon seit Jahren. Ein Gegentrend ist nicht in Sicht.  

Höchstwahrscheinlich wird auch die jüngere Priestergeneration, in deren Reihen sich nicht wenige „Kirchenretter“ finden, die Kirche mit lateinischen Hochämtern und Bassgeigen nicht in eine vitale Zukunft führen. Die Missbrauchsfälle, die seit 2010 endlich gehört und gesehen werden, verändern die Wahrnehmung auf den gesamten Klerus.

Untergangsstimmung macht sich breit, vor allem bei denen, die sich mit einer Veränderung der konkreten Gestalt von Kirche schwer tun. Doch die ist schon längst Realität in der Zusammenlegung von Pfarreien zu Pfarreiengemeinschaften und pastoralen Großräumen.

Was hat Gott in all diesen Veränderungen mit seiner Kirche vor? Wohin will er sie führen? Genau kann das derzeit wohl noch niemand sagen. Wir tasten nach den Konturen. Der Advent einer neuen Gestalt von Kirche ist angebrochen. Was in diesem Tasten jetzt schon greifbar wird, macht mir persönlich Mut!

Die Kirche in ihrer konkreten Gestalt wird in Zukunft nicht in erster Linie vom Amt getragen werden. Schon jetzt tragen so viele Gemeindemitglieder das Leben der Kirche vor Ort selbstverantwortlich mit. Ich würde von einer neuen Qualität des ehrenamtlichen Engagements sprechen.

Wort-Gottes-Feiern entwickeln sich vom Kompromiss aufgrund Priestermangels zu Gottesdiensten mit einer eigenen Qualität. Viele identifizierte, originelle und authentische Gemeindemitglieder geben der Kirche in wesentlichen Vollzügen ein Gesicht. Das Amt bleibt wesentlicher Teil der Kirche, es erfährt aber durch die aktiven Laien eine wertvolle Ergänzung.

Gekommen ist nicht nur die Stunde deiner Liebe, Gott, sondern scheinbar auch die Stunde eines neuen Antlitzes der Kirche, in der Laien einen wesentlichen Beitrag leisten! Laien mit einer göttlichen Sendung – nicht bloß für den säkularen Bereich. Menschen, die eine persönliche Gottesbeziehung leben und anderen helfen, in ihre eigene persönliche Beziehung zum Himmel zu finden. Das Laienapostolat ist so relevant und gefragt wie nie zuvor.

 

Ulrich Emge, Bistum Würzburg
Pastoralreferent, Ehe-, Familien- und Lebensberater


                                       Foto: pixabay.com

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