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Michael Maas

Fußball-WM in Katar

30.11.2022

Warum nur findet diese Fußball-WM in Katar statt? So wollte es die ARD in einer Dokumentation wissen. Dabei ist die Antwort ja recht eindeutig. Nein, nicht wegen dem Geld, sondern des Geldes wegen. Hier braucht es den Genitiv. Ansonsten allerdings keine weitere Erläuterung. Es lässt sich mit dieser WM in Katar viel, viel Geld machen. Für alle Beteiligten.

Dass unsere Fußballer das kaum anprangern können, liegt auf der Hand. Dass es in Katar und rund um diese WM eine ganze Reihe von Missständen gibt, allerdings auch. Ja, es ist ein Skandal, dass für die monumentalen Bauten der Stadien die Arbeiter zumeist aus armen, asiatischen Ländern menschenunwürdig untergebracht waren und unter katastrophalen Bedingungen schuften mussten. Kein Zufall, dass nicht wenige dabei ihr Leben lassen mussten.

Ja, es ist ein Skandal, dass in Katar – wie auch in anderen arabischen Ländern – Menschen, die homosexuell lieben, mit einer Gefängnisstrafe rechnen müssen. Und auch wenn es kaum angesprochen wird: Ja, es ist ebenfalls ein Skandal, dass aufgrund der völlig überraschenden Witterung am Golf von Persien die WM in den Winter, und damit in die Adventszeit verlegt wurde, deren Sinn dadurch (weiter) ausgehöhlt wird.
Es ist gut, all das zu thematisieren.

Ein Boykott der WM und auch die Diskussion rund um die (nicht) zu tragenden Kapitänsbinden erinnert mich allerdings an die Pharisäer. Neben der Tatsache, dass diese fröhliche Regenbogen-Binde keineswegs nur, wie gerne behauptet, für Offenheit und Toleranz steht, sondern damit u.a. auch künstliche Befruchtung und Wunschkinder mit all ihrer Problematik gutgeheißen werden: die Debatte um das Tragen der Armbinden der Kapitäne bei der WM erfüllt ziemlich exakt, was im Evangelium Jesus klassisch den Pharisäern vorwirft.

Wir sagen damit: „Gott sei Dank bin ich nicht so wie dieser da und verhalte mich tadellos…“ Das Tragen dieser Binde wird für die Menschen in Katar nichts verändern. Es zeigt lediglich dem, der sich damit solidarisiert, dass er auf der „richtigen“ Seite steht. Alles gut gemacht. Viel besser als die anderen.

Zudem müssen wir ehrlicherweise zugeben, dass das gar nicht so eindeutig stimmt. Bei uns herrschen auf gar nicht wenigen (kleinen und großen) Baustellen ebenfalls Bedingungen, wie wir sie für uns selbst niemals akzeptieren würden. Dass drei Bauarbeiter aus Rumänien gemeinsam in einem VW-Bus übernachten und 28 Tage am Stück keinen freien Tag haben, ist kein Einzelfall. Hierzu habe ich Protest irgendwie noch nicht so laut wahrgenommen.

Trotzdem gilt: Bei uns muss niemand fürchten, dass er für die freie Meinungsäußerung von der Polizei aufgegriffen wird. Die “Sittenpolizei” tritt hingegen recht zügig auf und sorgt dafür, dass man bei einer vermeintlich falschen Äußerung in einer Art und Weise lächerlich gemacht wird, die einen für den weiteren Diskurs unmöglich macht.

Mir gefällt hingegen, was P. Kentenich seinen Schülern in dem Vortrag, der rückblickend als erster Schritt zur Gründung Schönstatts angesehen wird, mit auf den Weg gibt: „Wir wollen uns selbst erziehen…“ So führt er es aus: Nicht er erzieht als Pater die ahnungslosen Schüler. Nicht die Eltern ihre unwissenden Kinder (zumindest ab einem gewissen Alter). Nein: Selbst-Erziehung. Das besagt, dass es ein Zutrauen in den Einzelnen gibt, dass er oder sie das auch kann. Ohne, dass wir dazu hin gelenkt werden müssten.

Damit es keine Willkür gibt, nennt P. Kentenich eine Einschränkung. „Unter dem Schutze Mariens.“ An ihr bzw. dem Evangelium allgemein, können wir uns orientieren, damit wir in rechter Weise vorankommen bei der Selbsterziehung. Dabei muss ich mich nicht vergewissern, besser zu sein als die anderen. Es genügt schon, sich zu mühen, das Gute zu tun. Und wer weiß: Vielleicht lockt das ja zur Nachahmung.

 

Michael Maas, Staufen


                                       Foto: WikimediaImages – pixabay.com

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