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Eine Statue der Göttin Justitia mit einer Waage.

Hubertus Brantzen

Als Christinnen und Christen in einem liberalen Staat leben

08.05.2024

Wieder einmal geht es um das Fortbestehen von Paragraph 218 unserer Verfassung. In einem Fernsehinterview wurde in der vergangenen Woche Frau Leuthäuser-Schnarrenberger (FDP), nach ihrer Meinung bezüglich Abtreibung gefragt. Zuvor hatte die Moderatorin ein Zitat des Vaters der früheren Bundesministerin für Justiz, Dr. Horst Leuthäuser (CDU), ebenfalls Jurist, eingeblendet, auf dem zu lesen war, Abtreibung sei Mord an menschlichem Leben. Mit lächelnder Mimik konterte nun dessen Tochter, dass man alles ganz anders sehen müsse. Die Diskussion um die Unantastbarkeit heranwachsenden, menschlichen Lebens geht quer durch die Familien und gesellschaftlichen Gruppen.

Die Tendenz in der öffentlichen Diskussion und in der Politik scheint klar. Selbst wenn die Bundesregierung eine Expertenkommission zusammenruft, muss man damit rechnen, dass die Zusammensetzung dieses Gremiums so gestaltet ist, dass früher oder später der Paragraph 218 fallen wird.

Wie stellen wir uns als Christinnen und Christen auf diese Situation ein? Die immer kleiner werdende Zahl von christlich-ethisch orientierten Menschen in unserem Staat wird an einem Punkt kommen, an dem ihre Grundwerte nicht mehr durch Gesetze geschützt und gestützt werden. Wir müssen damit rechnen, dass wir mit unseren Ansichten über die Unantastbarkeit und Würde des Menschen zu Beginn oder am Ende des Lebens keine Mehrheit mehr in unserem Staat finden.

Einerseits darf das nicht bedeuten, sich aus der politischen Diskussion zurückzuziehen. In das pluralistische Spektrum von Werten in unserer Gesellschaft muss nach wie vor die christliche Perspektive eingebracht werden und präsent sein.

Andererseits müssen Christinnen und Christen deutlicher zu Opinion Leaders in den Bereichen werden, in denen sie leben und arbeiten. Das freie und mutige Bekenntnis ist gefragt, wenn über die heißen Eisen unserer Gesellschaft diskutiert wird. Noch mehr wird es darum gehen, in der Erziehung und in unseren Beziehungen die eigenen Werte lebendig zu halten, sachkundig zu begründen und weiterzugeben.

Dazu ist ein Gegensatzbewusstsein der Menschen notwendig, die „in der Welt, aber nicht von der Welt“ sind (vgl. Joh 17,16). Nicht alles, was in unserem Staat erlaubt ist und straffrei bleibt, ist aus christlicher Perspektive vertretbar. Notwendig wird also eine differenzierte Gewissensbildung, die auf eigenen Prinzipien und persönlicher Einsicht aufgebaut ist. Christinnen und Christen brauchen eine eigene Art von Resilienz, um widerstehen zu können: Ja, in unserem Staat ist das und jenes anerkannt und straffrei, wir aber machen es anders!

Hubertus Brantzen, Mainz


                      Foto: NoName_13 auf Pixabay

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